Über Gabriele Drexler
Chronistin der Zeit
Gesetzt den Fall, jemand würde von der bayerischen Landeshauptstadt nur die ausdrucksvollen Bilder von Gabriele Drexler kennen, er würde allein durch sie ein Gespür für München zwischen idyllischem Millionendorf und pulsierender Isar-Metropole erhalten. Seit mehr als zwanzig Jahren setzt sie ihre Heimatstadt in Szene und wurde darüber zu ihrer veritablen Chronistin. Gleiches gilt für viele andere Orte und Städte, die die Künstlerin immer wieder mit wachen Augen besucht, wie beispielsweise Mallorca, Zürich und Venedig. Ihre jüngsten „Portraits & Cityscapes“ sind dabei nur vorläufiger Endpunkt einer künstlerischen Entwicklung, die um die Jahrtausendwende mit postimpressionistischen Stadtansichten begann, sich in der Serie der sogenannten Fahrbilder fortsetzte, um schließlich im Prominentenporträt – von Fritz Wepper, Dieter Dorn, Max Mannheimer – zu münden.
Schließlich führt ein direkter Weg von den großformatigen Prominentenporträts zu jenen kleinformatigeren „Stundenporträts“ von Menschen wie du und ich, die in einstündiger Sitzung entstehen. Dabei legt Gabriele Drexler den Fokus auf das Gesicht, den klassischen Ausdrucksträger des Porträts. Von der Fotografin Gisèle Freund ist der Satz überliefert: „Für mich ist das Antlitz ein Spiegelbild der inneren Persönlichkeit.“ Mit ihrem geschulten Auge erfasst sie blitzschnell die innere Verfasstheit ihres Gegenübers. Gut zu sehen an dem Porträt von Fritz Wepper. Das Bild, das den Schauspieler auf einem Barhocker zeigt, hat nichts Beschönigendes. Im Zentrum der Komposition steht nicht der Körper des mit schwungvoller Pinselführung Porträtierten, sondern sein Gesicht und hier vor allem die Augen. Er schaut den Betrachter aus zwei rötlich unterlaufenen Höhlen an. Es ist ein müder und erschöpfter Blick, der von einem bewegten Leben erzählt. Das Leben noch vor sich hat wiederum „Luca“, dessen jugendliche Wachheit und Neugier Drexler in ihrem „Stundenporträt“ einfängt. Seine kristallblauen Augen lässt sie mit dem kräftig blauen Hintergrund korrespondieren, der auf fast schon provokative, zumindest aber extrem spannende Weise einen Großteil des Bildes ausmacht.
Von ganz anderer Herangehensweise und Machart sind die Porträts, die Gabriele Drexler von internationalen Künstlern oder hohen Amts- und Würdenträgern anfertigt. Stets findet hier eine spannende Verformung mehrere Medien statt: Eine Rückbuchstabierung vom Internet über die Fotografie hin zum Gemälde. Bilder, die die Künstlerin im World Wide Web aufstöbert, werden in einem ersten Schritt abfotografiert und dienen in einem zweiten Schritt als Vorlage für ihre Porträts. Was am Ende des mehrstufigen Arbeitsprozesses von den gestochen scharfen, hochauflösenden (Internet)Fotografien übrig bleibt, ist pure Atmosphäre. Eine forsch voranschreitende und entschlossen-angestrengt dreinblickende Kanzlerin Merkel, gefolgt von einer dreiköpfigen männlichen Entourage (im Hintergrund erkennt man noch die Politikerlimousinen) symbolisiert nur eines: Macht. Wir erfahren weder Zeitpunkt noch Ort, an dem das Originalbild geschossen wurde. Was auch unerheblich ist. Gabriele Drexlers großformatig ausgeführtes Bild benötigt nicht den exakten Verweis auf einen Politiker-Gipfel, sondern es fängt generell die Aura der Macht ein, wie sie wichtige Entscheidungsträger umgibt.
Die Künstlerin verfügt über eine große Bandbreite technischer Ausdrucksmöglichkeiten. Ihre Werke changieren zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion und bestechen durch ihr eindrückliches Farbenspiel. Auch wenn sie sich zurücknimmt, kann sie ihren genuin expressiven Gestus doch nie ganz verbergen. Malte sie früher hauptsächlich in Öl, das sie pastos auftrug, greift sie in jüngerer Zeit bevorzugt zu Acrylfarben. Ihre Bilder haben dadurch an Offenheit gewonnen, wirken insgesamt luftiger. Das kommt beispielsweise einer Serie wie „Christopher Street Day“ zugute, die nach drei Jahren Pandemie das Leben feiert.
Gabriele Drexler, deren Laden-Atelier in unmittelbarer Nähe des Deutschen Museums lag, fängt immer wieder aufs Neue die wechselnden Gesichter einer Stadt wie München ein. So ist die Ära Dorn längst ein Stück Theatergeschichte, der Holocaust-Überlebende und Zeitzeuge Max Mannheimer ist mittlerweile gestorben, wie auch Papst Benedikt. Die Prominentenporträts aus den Jahren 2013 und 2014, sie sind zu Zeitdokumenten geworden.
Auch die vielen anderen Orte, die sie über die Jahre festgehalten hat, bezeugen den unablässigen Wandel der Zeit. So wirken die jüngsten Venedig-Skizzen „Venedig Salute“ und „Venedig – Blick von Dorsoduro“ auf den ersten Blick wie typische Idyllen der Lagunenstadt. Auf den zweiten aber nimmt man Beunruhigendes wahr. So etwa den schwarzen Rumpf eines mächtigen Schiffes, der bedrohlich und düster in die vermeintlich so beschauliche Stadtansicht hineinragt. Jeder, der in den letzten Jahren in Venedig war, weiß um die ernsthaften Probleme für Mensch, Stadt und Natur, die der stetig anwachsende Schiffs- und Touristenverkehr verursacht. Man darf gespannt sein auf die großen Bilder, die auf Grundlage der skizzierten Reiseeindrücke entstehen werden.
Florian Welle ist Kulturjournalist und Autor und schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung.
Serviceliste
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Einzelausstellungen (Auswahl)
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2024/25
"Flüsterparty", Deutsches Theater München
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2023
"Homegrown" Werksviertel München
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2022
„Stadt, Land & Portrait“ – Hollerhaus Irschenhausen
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2020
„Alt-OB - Christian Ude“ Live-Streaming-Stundenportrait in der Pasinger Fabrik, München
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2019/20
„Das aktuelle Portraitstudio“ innerhalb der Ausstellung „Gesichter der Stadt“, Stadtmuseum München
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2019
seit 2019 Ladenatelier für Portraitmalerei und Stadtlandschaften in München
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2018
-Aktion „Stundenportraits" in München Hasenbergl
-Aktion „Stundenportraits" in Limburg
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2017
Verwaltungsgerichtshof, München Ludwigstraße
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2016
Museum für Abgüsse Klassischer Skulpturen,
München - Königsplatz
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2015
Kanzlei Görg, München (Katalog)
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2014
Evangelische Versöhnungskirche, KZ-Gedenkstätte Dachau
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2013
Hochschule für Philosophie, München
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2012
Hypokundenhalle Fünf Höfe, München
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2011
Rathaus München, Pasing
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2010
Galerie Radowitz, München (Für Katalog hier klicken)
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2009
Pasinger Fabrik München
ACUD Galerie, Berlin
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2002
BMW-Group, München
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1999/2000
Siemens AG, München
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1998
Galerie Reile, München (Katalog)
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1996
Galerie Reile, München
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Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) Write a description for this list item and include information that will interest site visitors. For example, you may want to describe a team member's experience, what makes a product special, or a unique service that you offer.
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2025
„wildbox in der whiteBox“, Werksviertel Mitte München
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2024
„Action Painting für Alle“, Werksviertel Mitte München
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2023
Artmuc, MOC München
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2023
„Die Winterreise von Schubert“ – gesungen und gemalt, Pasinger Fabrik München
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2019/20
„Gesichter der Stadt“, Stadtmuseum München
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2018
„Das aktuelle Portraitstudio“, Kunsthaus Raab
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2014
Portrait auf TV-Sender Bayern Alpha
'Gabriele Drexler malt Max Mannheimer'
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2011
Shanghai Art Fair vertreten durch
Galerie Art Rays, Bielefeld - Shanghai, China
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2011
„high speed, slow motion“, Kunstraum Potsdam
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2011
„Pophits“, Tanzschuleprojects München, Berlin
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2010
„Supermarkt“, Berlin-Mitte
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2008/09
Autorengalerie
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2003
Landesmuseum Baden-Württemberg
"Mobile Zeiten - ADAC Sammlung Spuren"
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2002
Kunstverein Wasserburg "Jahresausstellung"
Kunstpavillon, München "Für immer jung"
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1999Listenelement 1
Kunstverein Wasserburg "Jahresausstellung"
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1998Listenelement 2
Galerie Reile "Künstler der Galerie"
Pasinger Fabrik "Fett auf Mager"
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1995Listenelement 3
Galerie Reile "Künstler der Galerie"
Artothek "Das kleine Format"
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Projekte Write a description for this list item and include information that will interest site visitors. For example, you may want to describe a team member's experience, what makes a product special, or a unique service that you offer.
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2018
„Temporäres Portraitstudio“ im Kunsthaus Raab
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2006
Offene Ateliertage München-Domagkstrasse
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2001
Porträt Sender SAT 1
Offene Ateliertage München-Pasing
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1995
Bühnenbild "Perpetuum Mobile", Theater Pasinger Fabrik
München
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1994
Künstlerische Ausstattung einer ZDF-Produktion
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Stipendien
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2023
Atelierstipendium Whitebox GmbH, Werksviertel München
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2003
Hochschulsonderprogramm des Bayerischen
Staatsministeriums für Wissenschaft,
Forschung und Kunst (Verlängerung)
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2002-2004
Atelierförderprogramm des Bayerischen Kulturfonds
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2001-2002
Hochschulsonderprogramm des Bayerischen
Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst
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Öffentliche Ankäufe
TÜV Forum Junger Kunst, Siemens AG, ADAC Sammlung Spuren
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Vita
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2026
Aufnahme Künstlerverbund im Haus der Kunst
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seit 2023
Dozentin für Boesner Workshops, Akt- und Portraitmalerei
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seit 2010
Atelier in München
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2001-2010
Atelier in Berg
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seit 1997
Lehrtätigkeit für Aktzeichnen und Malerei
an der Volkshochschule München und Fürstenfeldbruck
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1996-2001
Atelier in München-Pasing
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1996
1. Staatsexamen
Aufnahme in den Berufsverband
Bildender Künstler
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1991
Praktikum für Bühnenbild an der Staatsoper München
Wechsel an die Akademie der Bildenden Künste München
Klasse Professor Horst Sauerbruch
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1989
Beginn des Studiums (Malerei) bei Professor Daucher an der Ludwig-Maximilians-Universität, München
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1985
Abitur am Erasmus-Grasser-Gymnasium, München
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1966
geboren in München